WAZ

Als erstes Team in Deutschland tragen die U 19-Fußballer des Vogelheimer SV das Logo der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft auf der Brust.

Ein Abzeichen auf der Brust hat das Zeug zu einem echten Ausrufezeichen. Seit diesen Tagen und als erstes Team in Deutschland tragen die U 19-Fußballer des Vogelheimer SV Trikots mit dem Logo der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft. Wer’s nicht besser weiß, könnte an einen gewöhnlichen Werbeslogan denken.

 

Die neue Beflockung jedoch ist weit mehr, vor allem Ausdruck eines neuen Geistes, Teamgeistes. Tief im Essener Norden und rund um die Sportanlage am Lichtenhorst in Vogelheim ist das Thema Integration gefragter als vielerorts sonst. „Hier gibt es teilweise einen Ausländeranteil von 75 Prozent“, so VSV-Geschäftsführer Markus Brinkmeier. Junge Menschen, die jede Unterstützung verdienen. Menschen, die aber auch Strukturen brauchen und Respekt, um Probleme zu meistern.

 

Ausländeranteil von bis zu 75 Prozent

 

Aber auch in Vogelheim ist es wie nahezu überall sonst. Im Sport, im Fußball natürlich auch, da sind zunächst alle gleich, da zählt, was einer draufhat und wie er sich benimmt. Und wer negativ aus der Reihe tanzt, den fängt die Gemeinschaft ganz schnell auch wieder ein. Egal, wo jemand herkommt.

Gut 350 Kinder und Jugendliche sowie 100 Erwachsene sind beim Vogelheimer SV aktiv. „Wir sind einer der größten Vereine im Essener Norden“, weiß Markus Brinkmeier. Dass es sich knubbelt, weil nur ein Platz zur Verfügung steht, auf dem auch noch ein Gastverein regelmäßig trainiert und spielt, ist schon ein Problem, aber letztlich auch ein anderes Thema. Aktuell sind die Macher bemüht, Zeichen für ein friedliches Miteinander zu setzen.

 

Experten setzen auf gemeinsame Ziele

 

„Wenn viele unterschiedliche junge Leute aus vielen unterschiedlichen Kulturen zusammentreffen, ist es vor allem wichtig, gemeinsame Ziele zu haben“, sagt etwa Elias Omar, Präsident der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft, die ihren Hauptsitz in Bredeney und weitere in Berlin und Kabul hat. Omar, der am eigenen Leib erfuhr, wie grausam ein Flüchtlingsleben sein kann, hofft durch Aktionen wie diese auf mehr Öffentlichkeit, Aufklärung und vor allem mehr Verständnis. Da biete der Sport nahezu optimale Möglichkeiten, Menschen zu sensibilisieren.

Wie sehr die U 19-Fußballer aus Vogelheim selbst Gedanken wie diese bereits verinnerlicht haben, etwa die aus Afghanistan stammenden Ruhulla und Nima Soltani oder Ahmadsha Ahamdi, ist schwer zu sagen. Bei der Premiere in den neuen Trikots jedenfalls stand das Logo noch nicht an allererster Stelle, schließlich fieberten alle dem Pokalspiel gegen Rellinghausen entgegen. Dass es unterm Strich für das Team von Marco Brandowski und Stefan Blank eine 4:6-Niederlage nach Verlängerung gab, sollte man übrigens nicht als schlechtes Omen werten.

 

ERFAHRUNGEN AUS ERSTER HAND

 

Elias Omar, der Präsident der 2016 gegründeten Deutsch-Afghanischen Gesellschaft mit Sitz in Bredeney, flüchtete 1989 von Kabul über Indien nach Essen, mit 14 Jahren und ohne Verwandte. Der 42-Jährige leistet an allen Ecken und Enden Integrationsarbeit, ist zudem stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Bergerhausen. Omar engagiert sich zudem im Kosovarischen Solidaritäts- und Hilfsverein, im Kroatischen Verein und auch im 2015 als Verein ins Leben gerufenen Deutsch-Afghanischen Freundeskreis.

 

(Text WAZ: Norbert Ahmann, Foto Michael)


Deutsch Afghanische Gesellschaft e.V.

Pokalspiel verloren, Integration gelungen!
A-Junioren des Vogelheimer SV setzen ein Zeichen für ein friedliches Miteinander der Kulturen.
In einem packenden Spiel um den Kreispokal mussten sich die A-Junioren des Vogelheimer
Sportvereins (VSV) letztlich doch im Elfmeterschießen der U19 vom ESC Rellinghausen geschlagen
geben.

Aber nicht nur auf dem Platz lieferten die jungen Kicker des VSV einen starken Auftritt ab.

Erstmalig setzten sie auch ein deutliches Zeichen für das friedliche Miteinander der Kulturen.

Im Beisein von Rudolf Jelinek, 1. Bürgermeister der Stadt Essen, der Bundestagsabgeordneten Jutta Eckenbach sowie den Essener Fraktionsvorsitzenden von SPD und CDU Rainer Marschan und Jörg Uhlenbruch erhielten die jungen Spieler kurz vor Anpfiff ihre neuen Trikots.

Das Besondere dabei:

Sie ziert das Logo der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft (DAGeV).

„Damit werden die A-Junioren künftig bei Heim- undAuswärtsspielen zeigen, dass die Freundschaft zwischen verschiedenen Kulturen keine Grenzen kennt“, so DAGeV-Präsident Elias Omar.


Der Vogelheimer SV verfügt über elf Jugend-, drei Senioren- und zwei Altherrenmannschaften. Damit zählt der VSV zu den Großvereinen im Essener Norden.

„Schon aufgrund der Struktur des Stadtteils ist in unserem Verein der Mitgliederanteil mit Migrationshintergrund groß“, erklärte VSV-Geschäftsführer Markus Brinkmeier vor der
offiziellen Trikot-Übergabe.

„Etwa 75 Prozent unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche mit einem Migrationshintergrund.
Fast ein Viertel von ihnen sind zudem auch nicht in unserem Land geboren – darunter viele aus
Afghanistan, Schwarzafrika, Syrien und Bosnien.“

Dem Vereinsleben schadet es nicht, bereichert es eher.

„Gerade die jüngeren Generationen machen uns Älteren oft vor, wie leicht es eigentlich ist, über ein festgefahrenes Weltbild hinwegzusehen“, findet DAGeV-Präsident Elias Omar.

Er selbst kam 1989 im Alter von 14 Jahren ohne die Familie von Afghanistan nach Deutschland und fand ebenfalls einen Anker im Vereinssport.

„Bei mir war es allerdings nicht König Fußball, sonderen der Handball.“
Heute steht Omar als Gründungsmitglied und Präsident der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft vor – kurz DAGeV.

Mit Sitz in Essen, Berlin und Kabul sowie einer Repräsentanz in Masar-e Scharif setzt sich der gemeinnützige Verein für die Entwicklungshilfe in Afghanistan sowie für die Schaffung und den Ausbau bilateraler Beziehungen zwischen Deutschland und Afghanistan ein.

Vor allem will sie die menschlichen, kulturellen und
 irtschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschen und Afghanen festigen und weiterentwickeln.
Vor diesem Hintergrund entstand auch die Idee, mit dem Logo der DAGeV für das friedliche Miteinander unter den Kulturen beim Lieblingssport Nr. 1 in Deutschland zu „werben“.

„Besonders im Mannschaftssport zeigt sich, dass ein gemeinsames Ziel wichtiger ist als die Herkunft des Einzelnen“, so Omar.

Mit dem Vogelheimer SV und dessen Ausstatter, der Firma FossFour, fanden sich auch schnell offene Ohren für diese Aktion.

Und so laufen die Deutsch-Afghanische Gesellschaft e. V. und die A-Junioren des VSV künftig bei Heim- und Auswärtsspielen mit dem DAGeV-Logo auf der Brust auf und kicken
mit Bällen, die ebenfalls das Logo der Gesellschaft tragen.
Als „vorbildlich“ lobte Bürgermeister Rudolf Jelinek die Arbeit der DAGeV wie auch des Vogelheimer SV in seiner Ansprache zur Trikot-Übergabe.

Auch die Aktion, mit dem Logo für interkulturellen Austausch zu werben, stieß beim 1. Bürgermeister der Stadt Essen auf Begeisterung.

Häufig sei es gerade die Arbeit im Kleinen, die zu einem toleranten Miteinander beitrage.

„Mal gewinnt man, mal verliert man beim Fußball wie auch in jedem anderen Sport.

Aber immer spielt man miteinander.“

Zuspruch fand die Initiative der Deutsch-Afghanischen Gesellschaft außerdem bei den Gästen aus Politik und Sport, die extra an die Sportanlage Lichtenhorst kamen.

Neben den Essener Fraktionschefs Rainer Marschan (SPD) und Jörg Uhlenbruch (CDU) verfolgten auch Nils Grunau vom Essener Sportbund ESPO und die Bundestagsabgeordnete und CDU-Direktkandidatin im Essener Norden Jutta Eckenbach die Übergabe der neuen Ausrüstung an die jungen Sportler.
Bleibt noch die Frage: Warum Vogelheim, warum der Vogelheimer SV?

„Die Afghanen gehören zu den 15 größten Gruppen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Essen. Hinzu kommen jene, die mittlerweile einen deutschen Pass haben“, erläutert Elias Omar.

„Wie hoch genau der Anteil der Bürger mit afghanischen Wurzeln im Stadtteil Vogelheim ist, kann ich gar nicht genau sagen.

Aber darum geht es auch gar nicht.

Wichtig ist uns, ganz allgemein auf die Existenz von Organisationen aufmerksam zu machen, die sich wie die DAGeV für ein gegenseitiges Verständnis, ein friedliches Miteinander und den kulturellen Austausch stark machen.“

Daher hofft der DAGeVPräsident auch, dass diese Form der Öffentlichkeitsarbeit Nachahmer in anderen interkulturellen Organisationen findet.

„Vielleicht ist dies ja der Anfang einer neuen Art, wechselseitiges Verständnis zu entwickeln.“

 

(Text: Dirk Riedel - DAGe.V. / Fotos: DAGe.V. Christoph Bubbe)